Juden der Lutherstadt Wittenberg im III. Reich

Reichsbischof und evangelische Geistlichkeit auf dem Weg in die Wittenberger Schlosskirche im September 1933

13. März 2004 bis 18. April 2004

 

Im Rahmen der unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehenden "Aktionswoche gegen Rassismus" vom 15. bis 21. März 2004 präsentierte das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg die von der Landeszentrale für Politische Bildung in Sachsen- Anhalt und dem Luther-Zentrum in Wittenberg veranstaltete Wanderausstellung. Inhaltlich richtete sich der Blick vor allem auf die antisemitische Propaganda, insbesondere unter Berufung auf Martin Luther und die Reformation, auf den Prozess der wirtschaftlichen Erdrosselung der Juden sowie schließlich auf die Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Einwohner einer deutschen Stadt, die von ihrer Größe Lüneburg vergleichbar ist.

 

 

Rechtsanwalt Hans Ledien mit seiner "arischen" Ehefrau Erika in Marienbad 1931

 

 

Unter den Tätern wie Opfern der in der Ausstellung dargestellten Personen befinden sich auch Ostpreußen. Nach der Machtergreifung beginnen 1933 unzählige Aufmärsche von SA und SS und lassen unheil erahnen. 1933 ist auch das Jahr der Lutherfeiern zum 450. Geburtstag des Reformators. Die von vielen deutschen Juden gehegte Hoffnung auf eine "Normalisierung" der gesellschaftlichen Verhältnisse erfüllt sich nicht. Mit den während des Nürnberger NSDAP Parteitags 1935 erlassenen antijüdischen Gesetzen und nachfolgenden Verordnungen wird auch für die Wittenberger Betroffenen die "Rechts"-Grundlage geschaffen, ihre sozialen und ökonomischen Lebensmöglichkeiten weiter einzuschnüren.

Schrift des thüringischen Landesbischofs Martin Sasse von 1938

Für die 1938 noch ungefähr 50 in Wittenberg lebenden als jüdisch geltenden Einwohner sollten die in den vergangenen fünf Jahren erfahrene politische Entrechtung, gesellschaftliche Isolierung und wirtschaftliche Erdrosselung nur Vorstufen für ein schlimmeres Schicksal sein. Einen Höhepunkt der weiteren terroristischen Nazipolitik gegen sie stellen die an Luthers Geburtstag stattfindenden Ereignisse der "Kristallnacht" dar, in deren Folge die jüdischen Einwohner zunächst in "Judenhäusern" konzentriert und später fast vollständig aus der Lutherstadt vertrieben werden. Von denen, welchen es nicht mehr gelingt, Deutschland zu verlassen, überleben bis zur Einnahme Wittenbergs durch die Sowjetarmee am 26. April 1945 nur vier in "privilegierter Mischehe" lebende jüdische Einwohner das Inferno der Naziherrschaft. (Privatbesitz)

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